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Der Raum unter drei Minuten. Ein Nachbericht zum gestrigen Happening.

Bei der gestrigen Premiere von "Moment of Starlings >>> SMS an 11832 >>> Follow @TWTflash" der urbanauten im Rahmen des SPIELART Festivals kamen ca. 250 angemeldete Mitspieler (inklusive ca. 10 als Mitspieler angemeldete Zivilpolizisten) ins "Schwärmen". In dem experimentellen Kunstprojekt wird das Prinzip "Flashmob" zum "urbanen Schwarm" weiterentwickelt. Mittels Rückkanal per SMS und TWITTER an die Relaisstation können die Mitspieler selbst entscheiden, wie sich der urbane Schwarm verhält und welche Orte er als nächstes ansteuert. Vermittelt wird Schwarm-Kommunikation von einer geheimen Relais-Station irgendwo im Stadtraum.

Am nächsten Donnerstag schwärmen die Mitspieler wieder an einem geheimen Ort in der Münchner Innenstadt. Infos zum Startpunkt und Happenings gibt es per SMS oder Twitter. Die Anmeldung für Donnerstag, 3.12.2009 um 19.07 Uhr ist per SMS mit dem exakten Text schwarm 03 an die Telefonnummer 11832 möglich (5 &euro für ca. 30 Blitz-SMS während des Happenings). Twitterer können sich kostenlos anmelden: Follow @TWTflash führt zur kostenfreien Teilnahme durch die Nutzung des gebührenfreien Twitter-Dienstes. Vorraussetzung ist nur ein internetfähiges Handy mit einem installierten Twitter-App und ein eigener Twitter-Account.

Als Bühne für die Mitspieler ausgesucht hatten die urbanauten gestern Abend einen "Raum der Normen", in dem das öffentliche Leben immer mehr zurückgedrängt wird, bei dem kaum mehr von einem öffentlichen Raum gesprochen werden kann: den verkehrsumtosten Unort zwischen Staatskanzlei, Haus der Kunst und US-Konsulat am Altstadtring in München.

Am Mittwoch, den 25.11.2009, um 18.22 Uhr begann der "schwarm 02" im Diana Tempel im Münchner Hofgarten untermalt von einer Klanginstallation aus Vogelschwärmen. Dann zogen die 250 Mitspieler raus in die Nacht. Zunächst wurden die Schwarmprinzipien in einer außerordentlich amüsanten Trockenübung samt Papp-Polizist trainiert.

Erstes großes Happening der Kunstaktion war die blitzschnelle Eroberung der Kreuzung Altstadtring/ Prinzregentenstraße. Für 3 Minuten eroberte der Schwarm, Dank eines spontanen, engangierten Bauunternehmers in seiner Mitte, mit etwa 75 Kilometern rot-weißem Flatterband die Kreuzung und verwandelte sie in eine fulminante temporäre Rauminstallation.

SMS von 18.57 Uhr: "KREUZ UNG QUER! TAPE MODERN! Straßenverkehrsordnung ist temporär aufgehoben! Der Schwarm FLATTERT die Kreuzung zu! Die Straßenkreuzung ist unsere Bühne!". Münchens Radiosender hatten Minuten vorher eine Pressemitteilung erhalten und sendeten die Nachricht von der Sperrung des Altstadtrings im Verkehrsfunk. 

Während die urbanauten gemeinsam mit der Polizei in einer Art "WISCHMOB“ die Kreuzung innerhalb weniger Minuten gereinigt hatten... ... legte sich der erschöpfte Schwarm auf spontanen Vorschlag eines Mitspielers (SLEEP-IN) in der Haupthalle des Hauses der Kunst zum Schlafen nieder um kurze Zeit später vom Handy-Klingeln wieder geweckt zu werden.

Vor dem US Konsulat an der Königinstraße hieß es abschließend noch: ALLES WALZER! Für 3 Minuten wurde aus der seit 8 Jahren abgesperrten und für die Münchner nicht mehr betretbaren Königinstraße ein temporärer Ballsaal. Eine Aktion übrigens, die der Münchner Stadtrat vergangenes Jahr für das Vorgängerprojekt "urban express 2.0" der urbanauten beschlossen hatte, die das Polizeipräsidium allerdings damals untersagte.

Im Laufe des Abends nahm die Polizei vorübergehend Benjamin David fest und quartierte ihn in der Polizeiinspektion 11 ein. den urbanauten wird wegen der Sperrung des Altstadtrings von 18.57 bis 19.01 Uhr "Anstiftung zur Nötigung" vorgeworfen. Auch weitere Anzeigen seitens der Polizei sind möglicherweise zu befürchten. Dies erscheint nicht nur wegen der kurzen Dauer von wenigen Minuten und den weitgehend amüsierten Reaktionen der Autofahrer durchaus skurril.

Finale der irrsinnigen Raumeroberung war nach gut 70 Minuten im P1. Dort gab es - vom P1 zur Verfügung gestellt - Bier & Cola für den ausgedursteten Schwarm. 

Die Theaterjury der LH München und der Münchner Stadtrat fördern die Kunstpojekte der urbanauten seit Jahren gerade wegen des "anarchistischen Charmes und der engagierten Infragestellung von Scheuklappenroutine und Behördenwillkür" (Zitat aus der Jurybegründung zum Vorgängerprojekt "urban express 2.0").

In der Jurybegründung und im Stadtratsbeschluss zum aktuellen Projekt "Moment of Starlings" wird festgestellt, dass das Konzept "vernachlässigten Stadträumen temporär ihre Funktion als Forum einer Münchner Öffentlichkeit wiederzuverleihen" seitens der Stadt München voll förderwürdig ist. Ausdrücklich werden dabei geplante Happenings auf Teilen des Altstadtrings im Rahmen des Spielart Festivals befürwortet. Leider war die Polizei am gestrigen Abend hierüber nicht informiert und nahm Benjamin David vorläufig fest 

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